Soli Deo Gloria
Die Schuke-Orgel der Heilig-Geist-Kirche

Die Orgel in der Heilig-Geist-Kirche

Schon beim Bau und der Weihe der Heilig-Geist-Kirche im Jahre 1974, war eine Pfeifenorgel für das neue Gotteshaus vorgesehen. Aus finanziellen Gründen wurde aber zunächst ein elektronisches Instrument angekauft, das von 1974 bis 1983 in Verwendung stand. Der Klang dieser Orgel war aber nicht zufriedenstellend. Deshalb wurde im Dezember 1983 eine Ahlborn-Elektronik-Orgel angeschafft. Der Klang dieser Orgel verlor in den letzten Jahren merklich an Qualität und eine Reparatur war mangels verfügbarer Ersatzteilen nicht möglich.

Deshalb wurde der Kauf einer neuen Orgel in Erwägung gezogen. Es wurde ein Orgelkomitee gebildet das diese doch sehr bedeutende Anschaffung einer neuen Orgel planen und koordinieren sollte. Diese Orgel sollte nicht nur der musikalischen Untermahlung und Begleitung der Gottesdienste dienen, sondern auch für Orgelkonzerte und andere musikalische und kulturelle Veranstaltungen Verwendung finden.

Nach Prüfung und Vergleich der von mehreren Orgelbauern vorgelegten Anbote und Entwürfe, entschied sich das Orgelkomitee, zusammen mit dem Kirchenmusikreferat, die neue Orgel von der international bekannten und renommierten Orgelbaufirma Alexander Schuke aus Potsdam/Deutschland bauen zu lassen. Nach Absicherung der Finanzierung wurde im Frühjahr 2007 der Auftrag zum Bau der Orgel erteilt.

Besuch in Werder/HavelIm Mai 2008 besuchte eine Abordnung des Orgelkomitees die Firma Schuke in Werder an der Havel, um sich über den Baufortschritt zu informieren und die "Geburtsstätte" unserer neuen Orgel kennen zu lernen. Dabei wurde bei einer beeindruckenden Werksführung durch Herrn Schuke bewusst vor Augen geführt, wie viele Arbeitsschritte für den Orgelbau nötig sind und mit welch hoher Qualität, Sorgfalt und Liebe am Detail an unserer Orgel gebaut wird.

OrgelbauAnfang September 2008 war es dann soweit. Die Orgel, in unzählige Einzelteile zerlegt und in Kisten verpackt, trat ihre Reise von Deutschland an, um in der Heilig-Geist-Kirche wieder zusammengebaut ihren endgültigen Platz einzunehmen. Drei Wochen wurden für die Montage eingeplant und weitere vier Wochen für die Intonation - die Feinabstimmung von Lautstärke und Klangfarbe der Orgelpfeifen und Anpassung an die Akustik des Kirchenraums.

Zuerst wurde ein tonnenschweres Stahlskelett errichtet, das die Orgel trägt. Fleißig wurde von den Orgelbauern geschraubt, gehämmert, gesägt. Täglich wurden die Baufortschritte sichtbar und die Orgel nahm immer mehr ihr endgültiges Aussehen an. Dann stand sie da, in ihrer vollen Pracht, nur der Ton, das wichtigste bei einem Instrument, musste noch korrigiert werden. Das machten die Intoneure. Mühevoll bearbeiteten sie jede der 1.252 Pfeifen, solange bis sie den richtigen Ton hatten um gemeinsam zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen wundervoll zu erklingen. Jetzt konnte sie ihrer Bestimmung übergeben werden.

Dies geschah bei der feierlichen Orgelweihe durch Diözesanbischof Dr. Paul Iby am 26.Oktober 2008, und beim ersten Orgelkonzert am Nachmittag des selben Tages. 


Die technischen Daten der Orgel:

Orgeltyp:         Schleifladenorgel mit mechanischer Ton- und Registertraktur
Anzahl der Pfeifen: 1.252      Gehäuse: Esche   Spieltisch: Kirsche
2 Manuale       1 Pedal              22 Register

Disposition
 
 
Hauptwerk C - g '''
Schwellwerk C - g '''
Pedal C - f '

1. Principal engl. Zinn 8 '
2. Gedackt 8 '
3. Viola di Gamba 8 '
4. Octave 4 '
5. Spitzflöte 4 '
6. Quinte 2 2/3'
7. Octave 2 '
8. Mixtur 1 1/3' 4-fach
9. Trompete 8 '

10. Holzflöte 8 '
11. Salicional 8 '
12. Fugara 4 '
13. Nachthorn 4 '
14. Nassat 2 2/3'
15. Gemshorn 2 '
16. Terz 1 3/5'
17. Oboe 8 '
Tremulant

18. Subbaß 16 '
19. Gedacktbaß 8 '
20. Hohlflöte 8 '
21. Octave 4 '
22. Posaune 16 '

Koppeln:
II-I, I-P, II-P


Auszug aus den Grußworten von Orgelbauer Mathias Schuke in der Festschrift zur Orgelweihe:

Eine neue Orgel für Stegersbach

Matthias SchukeWenn sich eine Kirchengemeinde mit dem Gedanken befasst, eine neue Orgel bauen zu lassen, so steckt hinter dieser Idee meist eine lange Vorgeschichte. Vielleicht ist es aber auch eine Vision, die auf der Vorstellung beruht, wie es wohl sein wird, wenn in der Heiligen Messe und bei den kirchlichen Hochfesten Orgelmusik in dem Gotteshaus ertönt und zum Mitsingen anregt. Nach meiner ersten Reise nach Stegersbach und den ersten Gesprächen, die ich geführt hatte, war mir klar, hier ist die „Vision" der Ursprung der Idee.

Sicherlich werden sich viele Stegersbacher fragen, wie kommt ein Orgelbauer vom Rande Berlins dazu, eine Orgel in Stegersbach im Burgenland zu bauen?          

Diese Frage zu ergründen ist mit einem kleinen Ausflug nach Graz und nach Wien, sowie nach Tangermünde und Schwerin, nach Erfurt und Berlin verbunden. Im Jahre 2002 befasste sich das Franziskaner - Kloster in Graz mit der Frage, eine neue Orgel zu bauen, und man lud sich Professor Konstantin Reymaier als erfahrenen Organisten ein, der eine Vielzahl an europäischen Instrumenten kennen gelernt hatte. Und eben von ihm stammte der Vorschlag, die Firma Schuke aus Potsdam nach Graz einzuladen, und es kam tatsächlich nach einigen Besichtigungen unserer Orgeln in Deutschland zur Auftragserteilung für den Orgelneubau in Graz.

Und so führte der Weg nach Stegersbach über Graz. In der ersten Mail, die ich am 15. September 2005 aus Stegersbach erhielt, heißt es: "Vor kurzem habe ich die von Ihnen erbaute Orgel in der Franziskanerkirche in Graz/Österreich besichtigt und mich von der sehr guten Qualität überzeugt."

Eine solche Mail zu erhalten ist für einen Orgelbauer eine große Freude, so dass man beflügelt auf das neue Projekt zugehen kann.

Nach den ersten Gesprächen und der Besichtigung der Kirche begann die Zeit der Ideensuche, um mehrere Vorschläge als Diskussionsgrundlage zu erarbeiten. So entstand zunächst ein musikalisches Konzept, das sowohl den kirchenmusikalischen als auch konzertanten Ansprüchen an das neue Instrument für die Stegersbacher Kirche Rechnung trägt. Als zweiter Schritt entstand ein architektonischer  Entwurf für die neue Orgel, die neben ihrem Klang ein neues Schmuckelement in der Kirche werden soll.   

Die aufsteigende Form des Raumes, die unseren Blick nach oben führt und uns für die Weite das Herz öffnen soll, war die Basis und Grundidee für die aufstrebende Gestaltung.

Diese Grundidee hat mich inspiriert, bei der Gestaltung der Orgel einen Gegenlauf zu wählen, der die Spiralform der Kirche fortführt und zum gleichen Ziel gelangt.

Die Trinität war der Gedanke, der sich bei diesem Entwurf in der Bewegung von Klein nach Groß entwickelt. Im Gegensatz zur Kirchengestaltung wächst bei der Orgel die Trinität vom Boden in die Höhe.

Auf jeder Stufe bleibt diese Trinität auch in horizontaler Linie erhalten.

So wie sich unser Leben von einer kleinen Stufe zur nächst höheren bewegt, soll hier sinnbildlich das Wachsen bis zu unserem letzten Ziel zum Tragen kommen. Auch in unserem Leben wird die nächste Stufe höher sein.

Das musikalische Konzept gilt in erster Linie dem liturgischen Gebrauch, so dass der Wechselgesang zwischen der Gemeinde und dem Geistlichen sehr farbenreich auf beiden Manualen gewechselt werden kann.

Eine breite Palette an Grundstimmen bildet hier die Basis in beiden Manualen.

Das Schwellwerk mit seinen verschließbaren Glasschwelltüren ermöglicht zusätzlich eine klangliche Abstufung der Lautstärke.

Die Farbstimmen des 2. Manuals eignen sich besonders für das triomäßige Spiel aus der barocken, polyphonen Tradition und geben dennoch die Möglichkeit, auch im romantischen Sinne Verschmelzungsfähigkeit in verschiedenen Schattierungen und Lautstärken zu erzeugen.

Das Pedal gibt der Orgel das Fundament im Bass und eröffnet auch die Möglichkeit, den cantus firmus (die Melodiestimme) zeichnend hervortreten zu lassen. 

Allen an diesem Orgelprojekt Beteiligten möchte ich an dieser Stelle meinen Dank für das entgegengebrachte Vertrauen und für die ausgesprochen angenehmen Kontakte und Gespräche ausdrücken.

So möge nun dieses Instrument für viele Jahrzehnte in Ihrer Kirche zum Lobe Gottes erklingen, die Gemeinde mit ihrem Klang erfreuen und den Trauernden die Nähe und den Trost Gottes spüren lassen.

Matthias Schuke

Orgelbaumeister

 

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